Therma-Areal: Leider Nein

Dieser Text erschien als „Politblog“ in der Surseer Woche vom 18. Juni 2020

Die Abstimmungs-Debatte um die geplante Überbauung auf dem Therma-Areal schlägt hohe Wellen. Als einzige Partei haben die Grünen Sursee schon im Vorfeld der geplanten Gemeindeversammlung Mitte März Vorbehalte und Verbesserungsvorschläge angemeldet. Mit der Position des «Nicht-Eintretens und zur Verbesserung zurückweisen» standen wir damals schon für eine kritische und konstruktive Betrachtung des Projekts. Nach wie vor lässt sich nichts gegen den Standort sagen, in direkter Nähe des Bahnhofs macht es Sinn, nicht aber in der aktuell vorliegenden Ausgestaltung des Bebauungsplans.

Nun sind wir alle aber vor die verkürzte Frage «Ja oder Nein» gestellt. Gerne lege ich einige Gründe dar, die uns und mich schlussendlich zur Ablehnung bewogen haben:

Konzepte umsetzen

Wenn Sursee weiter wachsen soll, müssen zuerst wichtige Fragen geklärt sein: Wie läuft der Verkehr? Wo liegen Grün- und Freiräume? 

Es sind die Rahmenbedingungen, in Form von erarbeiteten und der Bevölkerung bekannten Konzepte, die ein Bauvorhaben beeinflussen sollen und nicht umgekehrt. Aktuell sind Freiraum- als auch Grünraumkonzept weder finalisiert geschweige denn umgesetzt. Wir wehren uns, dass mit unglaublichem Tempo gebaut wird – die Umsetzung wichtiger Konzepte dabei aber auf der Strecke bleibt. Wir fordern nicht neue, sondern primär und prioritär die Umsetzung lang angekündigter Konzepte.

Etappierung

Mit den Überbauungen Dreiklang, Therma-Areal Süd und „Girasole“ stehen in den nächsten Jahren bereits viele andere grosse Bauprojekte in Bahnhofsnähe an, die erheblichen Mehrverkehr und viel Wohnraum generieren. Statt einer Hauruck-Übung zum Ende der Legislatur wäre hier eine Etappierung der Überbauungen im Sinne eines nachhaltigen Wachstums erfolgsversprechender.

Die Parkplatzfrage

Die reduzierte Anzahl Parkplätze (50% des Bedarfs) wirkt auf den ersten Blick fast schon revolutionär, zieht man aber die Überkapazität der bereits bestehenden Parkgarage in Betracht, verringert sich die angepriesene „Reduktion“ auf einen Parkplatzanteil von ungefähr 75%. Auch die Aussage, das Parkhaus sei getrennt, und lenke so die Verkehrsströme, stimmt so nicht. In Artikel 15 der Sonderbauvorschriften kann man lesen, dass eine „Realisierungspflicht der Verbindungen zwischen den Einstellhallen» besteht. Mit der fehlenden Trennung der Parkhäuser verpufft aber auch der gewünschte Lenkungseffekt auf den Verkehr.

Verkehrsentwicklung

Ein Verkehrskonzept für Sursee und Umgebung besteht, nur wurde mit der Umsetzung noch nicht begonnen. Dies liegt zweifellos nicht ausschliesslich in den Händen der Stadt Sursee, die Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden und Kanton schränkt die Handlungsfähigkeit ein. 

In der Beurteilung des Mehrverkehrsaufkommens durch den «Pax-Palast» wurden nur Bahnhofsplatz (plus 15%) und Centralstrasse (plus 34%) berücksichtigt. Diese Steigerung wird offensichtlich als verkraftbar angenommen. Zum Einfluss des Mehrverkehrs auf die bereits heute stark belastete Umfahrungsstrasse und die dazugehörigen Kreisel rund um Sursee wurden keine Aussagen gemacht. 

Städtebauliche Qualität

Der Regierungsrat des Kantons Luzern forderte 2002 eine hohe städtebauliche Qualität für den Bebauungsplan dieser Schlüsselstelle in Sursees Raumplanung. Es lässt sich nicht leugnen, die geplanten Gebäude wirken imposant und sind anziehend für das Bahnhofspublikum. Wenn man als Passant aber auf direktem Weg in den «öffentlichen Park» gelangen möchte, wird man ausgebremst. Dem «Längsbau als Eingangstor zur Stadt», fehlt leider die Durchgänglichkeit zum dahinterliegenden Grünraum. 

Hier zeigt sich ein Problem, das auch bei früheren Bauprojekten in Sursee feststellbar ist. In einer wachsenden Stadt mit begrenztem Raum ist es wichtig, von Bauherren ein Maximum an Innovation und Qualität in Bezug auf qualitativen Lebensraum für die Bevölkerung einzufordern. Es scheint, der Stadtrat war bis anhin zu investorenfreundlich und ging auch zu wenig auf das Informations- und Partizipationsbedürfnis der Bevölkerung ein.

Demokratiepolitisch

Zu guter Letzt, ist es eigentlich unverzeihlich, dass diese Diskussionen nun nicht an einer Gemeindeversammlung sondern mittels Flugblätter und Social-Media-Kampagnen ausgetragen werden müssen. Aus demokratiepolitischer Sicht ein grosser Verlust für die Debatte…

Fabrizio Misticoni

Kantonsrat Grüne, Sursee